Zwei Wochen, die dem Leben gehören
Es gibt Zeiten, in denen wir glauben, alles müsse weiterlaufen.
Die Arbeit.
Die Termine.
Die Verpflichtungen.
Das, was andere von uns erwarten – und vielleicht noch mehr das, was wir selbst von uns erwarten.
Und dann gibt es diese besonderen Momente, in denen plötzlich etwas anderes wichtiger wird.
Meine Enkel sind für zwei Wochen bei mir.
Und ich habe entschieden: Diese zwei Wochen gehören ihnen. Und uns.
Ich habe alle beruflichen Termine abgesagt. Keine Sitzungen, keine Verpflichtungen, kein „Ich müsste nur noch schnell …“.
Das klingt vielleicht selbstverständlich. Für mich ist es das nicht.
Ich habe einen großen Teil meines Lebens gearbeitet. Verantwortung übernommen. Als Apothekerin war es selbstverständlich, dass die Apotheke funktionieren musste. Später, auf meinem anderen Weg, wurde die Verantwortung nicht weniger. Menschen kommen zu mir mit ihren Fragen, ihren Sorgen, ihren Hoffnungen. Auch diese Arbeit liegt mir am Herzen.
Gerade deshalb fällt es manchmal schwer, einfach zu sagen:
Jetzt nicht.
Nicht, weil die Arbeit unwichtig geworden wäre. Sondern weil etwas anderes gerade wichtiger ist.
Zeit lässt sich nicht nachholen
Meine Enkel werden nie wieder genau so alt sein wie heute.
Diese beiden Wochen im Sommer 2026 werden nicht wiederkommen.
Vielleicht werden wir gar nichts Spektakuläres erleben. Vielleicht werden wir ausschlafen, gemeinsam essen, reden, lachen, uns auch einmal auf die Nerven gehen. Vielleicht werden Pläne gemacht und wieder verworfen. Vielleicht entstehen gerade in den völlig ungeplanten Stunden jene Augenblicke, an die wir uns später erinnern.
Denn merkwürdigerweise sind es selten die perfekt organisierten Tage, die tief in unserer Erinnerung bleiben.
Es sind Gerüche.
Ein Satz am Frühstückstisch.
Ein gemeinsames Lachen.
Eine Autofahrt.
Ein Abend, an dem niemand auf die Uhr schaut.
Das Leben schreibt seine kostbarsten Geschichten oft nebenbei.
Was hat eigentlich Vorrang?
Vielleicht ist das eine Frage, die wir uns viel öfter stellen sollten.
Nicht: Was muss ich heute noch erledigen?
Sondern:
Was möchte ich nicht versäumen?
Das ist ein großer Unterschied.
Pflichten melden sich laut. Sie haben Termine, Uhrzeiten und Erwartungen.
Das Wesentliche dagegen ist oft erstaunlich leise.
Ein Mensch, der neben uns sitzt.
Ein Gespräch, für das eigentlich gerade keine Zeit wäre.
Ein Kind, das längst kein kleines Kind mehr ist.
Ein Sommertag, der einfach nur gelebt werden möchte.
Und irgendwann begreifen wir: Auch Zeit ist eine Form von Liebe.
Vielleicht sogar eine der kostbarsten.
Ich darf einfach Oma sein
Ich muss in diesen zwei Wochen niemanden begleiten, nichts analysieren und nichts lösen.
Ich darf einfach Oma sein.
Dieser Satz gefällt mir.
Denn vielleicht besteht Freiheit nicht immer darin, etwas Neues zu beginnen. Manchmal besteht sie darin, etwas bewusst beiseitezulegen.
Ich habe meine Arbeit nicht abgesagt, weil sie mir zu viel geworden ist.
Ich habe sie abgesagt, weil ich mich entschieden habe, wo ich jetzt sein möchte.
Hier.
Mit meinen Enkeln.
Mitten in diesen zwei Wochen, die heute vielleicht ganz gewöhnlich aussehen und irgendwann zu unseren Erinnerungen gehören werden.
Und während ich das schreibe, merke ich, wie gut sich diese Entscheidung anfühlt.
Es muss nicht immer alles gleichzeitig stattfinden.
Manches darf warten.
Das Leben manchmal nicht.
Eure Petra


Ein Kommentar
Eine weise Entscheidung, da das Leben doch wie ein Wettlauf ist — den wir uns oft selbst auferlegen
Einmal bewußt gegensteuern—-tut gut !!!!!!!