Meine Stimme darf gehört werden – Warum ich mit 76 noch ein Business-Rhetorik-Diplom mache

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Meine Stimme darf gehört werden

Man könnte sich fragen: Warum eigentlich noch ein Diplom?

Ich habe in meinem Leben gelernt, studiert, Prüfungen abgelegt, mich weitergebildet und immer wieder neue Wege eingeschlagen. Eigentlich könnte ich irgendwann sagen: Es reicht. Ich muss niemandem mehr etwas beweisen.

Und genau deshalb habe ich mich entschieden, ein Business-Rhetorik-Diplom zu erwerben.

Nicht, weil ich noch einen Titel brauche.
Nicht, weil ein weiteres Zertifikat an meiner Wand hängen muss.

Sondern weil ich etwas lernen möchte, das vielleicht viel tiefer geht als jede fachliche Weiterbildung:

Meine eigene Stimme bewusst einzusetzen.

Ausgerechnet meine Stimme!

Das ist eigentlich eine kleine Geschichte für sich.

Ich mochte meine Stimme nie besonders. Wenn ich mich selbst auf einer Aufnahme hörte, dachte ich eher: Oh nein – so höre ich mich an?

Und nun passiert in meinen Rhetorikkursen etwas Merkwürdiges:

Alle Rhetoriklehrer sagen mir, dass ich die richtige Stimme habe.

Eine Stimme, die trägt. Eine Stimme, mit der man arbeiten kann. Eine Stimme, die offenbar viel besser ist, als ich selbst mein Leben lang geglaubt habe.

Ist das nicht eigenartig?

Wir tragen etwas so viele Jahre mit uns herum, haben längst ein Urteil darüber gefällt – und dann kommen andere Menschen und zeigen uns plötzlich eine vollkommen andere Sicht darauf.

Vielleicht geht es dabei gar nicht nur um meine Stimme.

Wie vieles an uns haben wir irgendwann einmal als nicht gut genug beurteilt, ohne dieses Urteil jemals wieder zu überprüfen?

Und dann wäre da noch „griechisch“ …

Was mich ebenfalls überrascht: Die Sprach- und Artikulationsübungen fallen mir leicht.

Ich habe richtig Freude daran, mit Sprache zu spielen, Laute bewusst zu formen und zu beobachten, was Mund, Zunge, Atem und Stimme eigentlich alles miteinander anstellen.

Und ich habe tatsächlich etwas gelernt, von dem ich jahrzehntelang nicht wusste, dass ich es offenbar nicht richtig konnte:

Ich kann jetzt „griechisch“ richtig artikulieren!

Wer hätte gedacht, dass mich das mit 76 noch einmal beschäftigen würde?

Es sind manchmal diese kleinen Dinge, die mir zeigen, wie schön Lernen sein kann, wenn es nicht mehr darum geht, eine Prüfung bestehen zu müssen.

Heute darf Lernen einfach Freude machen.

Gesehen werden – und gehört werden

Und damit bekommt dieser Rhetorikkurs für mich plötzlich eine viel tiefere Bedeutung.

Wie oft wissen wir eigentlich ganz genau, was wir sagen möchten – und sagen es trotzdem nicht?

Wir nehmen uns zurück. Wir überlegen, wie etwas ankommen könnte. Wir wollen niemandem zu nahe treten. Wir möchten gefallen, verstanden werden, dazugehören.

Und irgendwann merken wir vielleicht, dass wir zwar sehr viel gesprochen haben – aber nicht immer wirklich uns selbst ausgesprochen haben.

Auch ich kenne das.

Ich habe mein Leben lang mit Menschen gearbeitet. Als Apothekerin, später in meiner energetischen Arbeit. Ich habe erklärt, beraten, zugehört, begleitet und versucht, die richtigen Worte zu finden.

Aber vor Menschen zu stehen und zu sagen:

Hier bin ich. Das ist meine Erfahrung. Das ist das, was ich zu sagen habe.

Das ist noch einmal etwas anderes.

Muss man mit 76 noch etwas Neues anfangen?

Meine Antwort darauf wird immer eindeutiger:

Warum denn nicht?

Vielleicht ist genau das eines der Geschenke des Älterwerdens. Dass wir nicht mehr alles tun müssen, weil wir etwas erreichen oder jemandem etwas beweisen sollen.

Wir dürfen etwas tun, weil wir neugierig sind.

Weil es uns Freude macht.

Weil wir wachsen möchten.

Weil etwas in uns sagt: Da wartet noch etwas auf dich.

Ich empfinde mein Alter inzwischen nicht mehr als Begrenzung. Hinter mir liegen so viele Erfahrungen, Umwege, Begegnungen, Fehler, Erkenntnisse und Neuanfänge.

Vielleicht braucht es gerade deshalb jetzt noch etwas anderes:

den Mut, all dem eine Stimme zu geben.

Die Stimme gehört auch zu meinem Weg

Während ich an meinem Buch schreibe, begegne ich meinem eigenen Leben noch einmal neu.

Das Schreiben bringt Erinnerungen zurück. Die Rhetorik dagegen stellt mir eine andere Frage:

Kannst du das, was du erkannt hast, auch aussprechen?

Nicht perfekt.

Nicht so, wie andere es erwarten.

Sondern so, dass es wirklich deins ist.

Vielleicht ist genau das mein nächster Schritt.

Nicht lauter zu werden.

Sondern klarer.

Nicht mehr zu beweisen, dass ich etwas weiß.

Sondern den Mut zu haben, mit dem nach außen zu gehen, was in mir gewachsen ist.

Und deshalb freue ich mich auf dieses Diplom.

Nicht als Abschluss.

Sondern als einen weiteren Anfang.

Denn ich glaube inzwischen:

Solange wir leben, dürfen wir uns entwickeln.
Solange wir neugierig sind, dürfen wir lernen.
Und solange etwas in uns gesagt werden möchte, ist es niemals zu spät, die eigene Stimme zu finden.

Und manchmal beginnt das vielleicht sogar mit einem einzigen Wort:

„griechisch“. 😊

Vielleicht gibt es auch in dir etwas, über das du längst ein Urteil gefällt hast.

Deine Stimme. Dein Aussehen. Eine Fähigkeit. Etwas, das du dir angeblich nicht zutraust.

Was wäre, wenn du dich darin dein ganzes Leben lang geirrt hättest?

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende!

Eure Petra

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