Wenn der Körper spricht – und wir lernen zuzuhören
In den letzten Tagen meldet sich mein Körper öfter als sonst.
Nicht laut, nicht dramatisch – eher wie ein leiser Hinweis:
Schau her. Spür hin. Bleib einen Moment.
Viele von uns kennen das.
Ein Ziehen in der Hüfte, ein Druck in der Schulter, Müdigkeit ohne klaren Grund.
Und fast automatisch stellt sich die Frage:
„Was stimmt nicht mit mir?“
Doch vielleicht ist das heute nicht mehr die richtige Frage.
Vielleicht geht es heute weniger darum, etwas zu verändern –
sondern darum, dem Körper zu zeigen, dass er nicht mehr allein ist.
Eine neue Art, den Körper zu verstehen
Wir sind lange damit aufgewachsen, den Körper zu korrigieren, zu reparieren oder zu übergehen.
Schmerz sollte weg. Symptome sollten funktionieren. Der Alltag durfte nicht gestört werden.
Doch immer mehr Menschen spüren:
Diese Haltung trägt nicht mehr.
Der Körper ist kein Gegner.
Er ist auch kein Hindernis auf dem Weg zur Heilung.
Er ist der Weg.
Wenn sich heute etwas meldet, dann oft nicht, weil etwas „kaputt“ ist,
sondern weil sich etwas neu ordnen möchte.
Übergänge spürt man im Körper
Gerade in Zeiten innerer Veränderung – wenn wir Verantwortung abgeben, alte Rollen verlassen oder leiser werden – reagiert der Körper sensibel.
Er übersetzt seelische Prozesse in Empfindung.
Hüften und Beine zeigen oft Themen von Stand, Richtung und Halt.
Schultern sprechen von Last und Verantwortung.
Müdigkeit kann ein Zeichen sein, dass das Nervensystem nach Ruhe und Sicherheit verlangt.
Das sind keine Fehlermeldungen.
Es sind Übergangssignale.
Vom Tun ins Lauschen
Früher haben wir viel getan, um Heilung zu bewirken.
Heute genügt oft etwas anderes: Antworten.
Antworten heißt nicht analysieren oder erklären.
Antworten heißt:
– einen Moment innehalten
– die Hand dorthin legen, wo es sich meldet
– innerlich sagen: Ich höre dich.
Manchmal verändert sich allein dadurch schon etwas.
Der Körper entspannt sich, der Atem wird tiefer, der Druck lässt nach.
Wenn der Körper Sicherheit sucht
Ein Aspekt, der in der heutigen Zeit oft unterschätzt wird, ist das Bedürfnis des Körpers nach Sicherheit.
Viele Körpersignale entstehen nicht aus Krankheit, sondern aus Überforderung des Nervensystems.
Unser Alltag ist schnell, dicht, voller Eindrücke.
Selbst wenn wir innerlich ruhig erscheinen, bleibt der Körper oft im Modus des Bereitseins.
Er wartet – ohne dass wir es merken – auf Entlastung.
Schmerzen, Verspannungen oder diffuse Beschwerden können deshalb ein Zeichen sein, dass der Körper fragt:
„Bin ich hier sicher? Darf ich loslassen?“
Heilung beginnt in solchen Momenten nicht mit Analyse, sondern mit Regulation.
Ein ruhiger Atem.
Ein bewusstes Sitzen.
Ein Ja zum eigenen Tempo.
Wenn wir dem Körper diese Sicherheit schenken, muss er nicht mehr so deutlich sprechen.
Er darf wieder fließen, sich ordnen, nachregulieren.
Das Nervensystem als Schlüssel zur Heilung
Unser Nervensystem ist die Schaltzentrale zwischen Körper, Emotionen und Wahrnehmung.
Es entscheidet in jedem Moment, ob wir uns sicher fühlen oder ob wir in Anspannung bleiben.
Ist das Nervensystem über längere Zeit im Alarmmodus, reagiert der Körper mit Schutz:
Muskeln spannen sich an, der Atem wird flacher, Schmerzen oder Erschöpfung können entstehen.
Nicht, weil etwas „falsch“ ist – sondern weil der Körper versucht, uns zu bewahren.
Heilung kann dann nicht durch Druck oder weitere Anstrengung entstehen.
Sie braucht Beruhigung, Rhythmus und Vertrauen.
Schon kleine Signale wirken regulierend:
ein ruhiger Atemzug, eine warme Berührung, das bewusste Wahrnehmen des eigenen Körpers.
Wenn das Nervensystem merkt, dass es sicher ist, darf der Körper loslassen.
Regeneration wird möglich – oft ganz leise, fast unbemerkt.
Eine kleine Einladung
Vielleicht magst du dir heute oder in den nächsten Tagen einen stillen Moment nehmen.
Leg eine Hand auf dein Herz oder auf die Stelle, die Aufmerksamkeit braucht.
Ohne Ziel. Ohne Erwartung.
Und vielleicht entsteht dabei ein innerer Satz wie:
Ich bin da.
Oder einfach: Danke.
Mehr braucht es manchmal nicht.
Heilung darf leise sein
Heilung ist nicht immer ein großes Ereignis.
Oft ist sie ein sanftes Nach-Hause-Kommen – in den eigenen Körper, in den eigenen Rhythmus.
Vielleicht ist Heilung heute nichts anderes als
stehenzubleiben,
zuzuhören
und dem eigenen Körper zu glauben.
In diesem Sinn wünsche ich all meinen Lesern/innen eine schöne neue Woche!
Eure Sha Elara / Petra

