🌿 Zwischen Müdigkeit und Aufbruch – warum unser System langsamer wird, bevor Neues beginnt
In den letzten Wochen höre ich es immer wieder – in Gesprächen, in Sitzungen, aber auch in mir selbst:
„Ich weiß, dass etwas Neues kommen möchte. Aber warum fühle ich mich gleichzeitig so müde, so unruhig oder blockiert?“
Viele Menschen erleben gerade eine eigenartige Mischung aus innerem Aufbruch und körperlicher oder emotionaler Erschöpfung. Man spürt, dass sich etwas verändern will – und doch scheint das Leben langsamer zu werden, anstatt Fahrt aufzunehmen.
Doch genau darin liegt oft ein tiefer Sinn.
Unser System arbeitet nicht nur in den Momenten, in denen wir aktiv handeln. Die tiefsten Veränderungen geschehen häufig in Phasen, in denen äußerlich wenig passiert. Alte Erfahrungen, Verletzungen und Muster lösen sich im Hintergrund. Neue Wege wollen vorbereitet werden.
Man könnte sagen: Die Seele räumt auf, bevor sie weitergeht.
Ich merke das auch bei mir selbst. Es gibt Tage, an denen ich voller Ideen aufwache – voller Pläne und innerer Bilder – und dann plötzlich eine tiefe Müdigkeit spüre. Früher hätte ich gedacht, ich müsse nur stärker werden oder schneller handeln.
Heute weiß ich: In diesen Momenten arbeitet etwas in mir, das ich nicht antreiben kann.
Vielleicht kennst du das:
Man möchte losgehen, neue Entscheidungen treffen, Projekte starten – und plötzlich fühlt sich alles schwer an. Man wird empfindlicher, schneller unruhig oder zweifelt an sich. Alte Erinnerungen tauchen auf. Der Körper fordert Ruhe ein.
Auch in meinen Sitzungen spüre ich, dass viele Menschen gerade genau an diesem Punkt stehen. Sie wissen innerlich: Ein neuer Abschnitt beginnt. Doch zuerst müssen alte Energien gehen, die wir oft jahrelang getragen haben.
Vor wenigen Tagen saß eine junge Frau bei mir, voller Sorge und innerer Unruhe. Sie erwartete ein Kind und hatte große Angst, etwas falsch zu machen oder die Schwangerschaft nicht halten zu können. Ihr ganzer Körper war in Alarmbereitschaft.
Während wir gemeinsam ruhig atmeten und die Energie wieder in Fluss brachten, geschah etwas sehr Schönes: Nach einiger Zeit sagte sie plötzlich ganz leise: „Jetzt wird es ruhig in mir.“
Dieser Moment berührt mich immer wieder. Denn oft braucht es gar keine großen Lösungen, sondern nur einen Raum, in dem das System wieder Vertrauen finden darf.
Manchmal ist der wichtigste Schritt nicht das Tun – sondern das Erlauben, dass sich etwas beruhigen darf.
So wie in der Natur im Winter scheinbar nichts wächst – und doch bereitet sich alles auf den Frühling vor.
Vielleicht dürfen wir gerade lernen, dem Prozess mehr zu vertrauen. Nicht jede Entwicklung muss erkämpft werden. Manches darf reifen.
Wenn du dich also gerade müde, unruhig oder blockiert fühlst, frage dich vielleicht nicht: „Was stimmt nicht mit mir?“
Sondern eher:
„Was darf gerade in mir entstehen?“
Oft ist genau dieser Zwischenraum die Vorbereitung für den nächsten Schritt.
Und manchmal zeigt sich das Neue ganz plötzlich – wenn wir aufhören zu drängen.
Vielleicht ist jetzt nicht die Zeit des Handelns, sondern die Zeit des Werdens.
Und dann, oft ganz unerwartet, beginnt die nächste Bewegung.
🌱 Impuls zum Abschluss
Nicht jeder Schritt geschieht sichtbar.
Manches wächst still – bis es eines Tages plötzlich blüht.
„Und während ich diese Zeilen schreibe, merke ich selbst: Auch ich darf mir erlauben, langsamer zu gehen und dem Leben zu vertrauen.“
Ich wünsche allen eine schöne Zeit!
Eure Sha Elara / Petra

