Wenn nichts mehr getan werden muss – die Kraft der stillen Präsenz

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Wenn nichts mehr getan werden muss – die Kraft der stillen Präsenz

Es gibt Nächte – und Tage danach –, in denen etwas sehr still wird.
Nicht leer. Nicht traurig.
Sondern ruhig. Wach. Klar.

Man schaut auf das Geschehen, fast wie auf einen Film.
Man sieht, was ist.
Und spürt zugleich: Ich muss nichts tun.

Das ist ein Moment, den viele von uns zunächst missverstehen.
Wir sind es gewohnt, zu reagieren. Zu helfen. Zu tragen.
Wir haben gelernt, Verantwortung zu übernehmen – oft mehr, als uns wirklich gehört.
Und plötzlich ist sie da, diese Stille.
Ohne Aufforderung. Ohne Auftrag.

Früher hätte ich geglaubt, das sei Rückzug.
Oder Müdigkeit.
Oder gar Gleichgültigkeit.

Heute weiß ich:
Es ist Reife.

Es gibt einen inneren Wendepunkt, an dem wir erkennen,
dass nicht alles gehalten werden muss, nur weil wir es sehen.
Dass nicht jede Bewegung eine Handlung braucht.
Und dass Wahrnehmung allein bereits wirksam sein kann.

Viele Menschen, die zu mir kommen – und viele, die mir schreiben –,
spüren gerade etwas Ähnliches.
Sie sind weniger getrieben.
Weniger geneigt, sofort einzugreifen.
Und gleichzeitig taucht eine leise Unsicherheit auf:
Reicht das? Bin ich noch hilfreich? Mache ich genug?

Vielleicht ist genau das die falsche Frage.

Denn es gibt Phasen im Leben – und im inneren Wachstum –,
in denen Tun nicht mehr vertieft, sondern verengt.
In denen Eingreifen eher stört als unterstützt.
Und in denen Präsenz mehr ordnet als jede Technik.

Stille Präsenz ist kein Nichtstun.
Sie ist ein bewusstes Dasein ohne Zugriff.
Ein inneres Zurücktreten, das Raum schafft –
für das, was sich selbst bewegen will.

Das ist nicht bequem.
Denn es entzieht uns der Rolle der Zuständigen.
Derjenigen, die „weiß, wie es geht“.
Derjenigen, die Verantwortung übernimmt, auch wenn sie nicht eingefordert wurde.

Doch genau darin liegt eine neue Freiheit.

Ich beobachte in mir – und in meiner Arbeit –,
dass dort, wo ich nicht mehr ziehe,
sich Prozesse oft tiefer und ehrlicher entfalten.
Nicht schneller.
Aber stimmiger.

Etwas darf enden, ohne Drama.
Etwas darf gehen, ohne Erklärung.
Und manchmal bleibt nur ein kleines Zeichen zurück,
das zeigt: Ja, dieser Weg ist wirklich vorbei.

Mehr braucht es nicht.

Diese Form von Präsenz verlangt Vertrauen.
Nicht in Methoden.
Nicht in Konzepte.
Sondern in die Selbstregulation des Lebens selbst.

Und vielleicht ist das die Einladung dieser Zeit:
Weniger machen.
Mehr da sein.
Weniger tragen.
Mehr sehen.

Wenn du dich in den letzten Tagen dabei ertappt hast,
dass du innehältst, statt einzugreifen –
dass du beobachtest, statt zu handeln –
dann nimm das ernst.

Es könnte ein Zeichen sein,
dass du eine Schwelle überschritten hast.

Nicht zurück.
Sondern weiter.

Zum Abschluss möchte ich dir einen Satz mitgeben.
Kein Mantra, kein Auftrag – eher eine Erinnerung:

Ich bin anwesend.
Und das genügt.

Vielleicht magst du ihn heute einmal still in dir bewegen.
Ohne etwas daraus machen zu müssen.

In Verbundenheit
Sha Elara / Petra

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