Die Nachtwache der Seele – wann wir aufhören dürfen, ständig im Dienst zu sein
Manchmal erzählt uns unsere Seele nachts Geschichten, die wir am Tag kaum hören würden.
Vor einigen Tagen hatte ich einen Traum, der mich noch lange beschäftigt hat.
Ich befand mich in der Apotheke in Gladenbach.
Seit Tagen hatte ich dort Nachtdienst. Die Verantwortung lag bei mir, wie so oft im Leben. Ich ging durch die Räume und bemerkte plötzlich: Die Nachtdienstglocke war nicht eingeschaltet.
Ich suchte nach dem Schalter, überlegte, wo er sein könnte – aber ich konnte mich nicht mehr erinnern.
Ein seltsames Gefühl entstand.
So viele Jahre meines Lebens habe ich im Dienst verbracht – zuerst in der Apotheke, später auch in meiner Arbeit mit Menschen in energetischen Heilprozessen. Verantwortung, Aufmerksamkeit, Bereitschaft zu helfen – all das gehörte selbstverständlich zu meinem Leben.
Doch in diesem Traum wusste ich plötzlich nicht mehr, wie und wo man die Glocke einschaltet. Jahrzehntelang war das ein immer wiederkehrender Griff und der Schalter war umgelegt. Seltsam war, dass es mir eigentlich nichts ausgemacht hatte….trotz Verpflichtung nicht einsatzbereit zu sein.
Dann warteten wir vor einem Prüfungsraum. Menschen, die ich kannte, waren da. Auch meine vor einem Jahr verstorbene Freundin Margarete war dabei – strahlend und voller Licht. Noch eine andere längst verstorbene Freundin aus meinem Bekanntenkreis war ebenfalls dort. Und auch Hannes und unser Hund Sam waren in dieser Gruppe.
Lebende und Verstorbene standen gemeinsam vor dieser Schwelle.
Es war ein stiller, tröstlicher Moment.
Denn plötzlich wurde mir bewusst:
Wenn wir durch neue Lebensphasen gehen, sind wir oft nicht allein.
Manchmal begleiten uns Erinnerungen, manchmal Menschen, die wir geliebt haben – und manchmal vielleicht auch eine stille geistige Unterstützung, die wir nicht erklären können.
Vielleicht gehört auch das zur Nachtwache der Seele:
Dass wir irgendwann erkennen dürfen, dass wir nicht alles alleine tragen müssen.
Dieser Traum hat mich tief berührt.
Mir wurde bewusst, dass viele Menschen – besonders Menschen, die gerne helfen – innerlich im Nachtdienst der Seele leben.
Wir sind ständig wachsam.
Wir fühlen Verantwortung für andere.
Wir reagieren auf jede „Glocke“, die irgendwo läutet.
Manchmal sogar auf Glocken, die gar nicht für uns bestimmt sind.
Viele Frauen kennen dieses Gefühl besonders gut.
Wir kümmern uns um Familie, Kinder, Eltern, Freunde. Wir tragen Verantwortung im Beruf, im Alltag, im Inneren. Und irgendwann merken wir, dass wir kaum noch wissen, wie man diesen inneren Dienst überhaupt ausschaltet.
Vielleicht wollte mir dieser Traum etwas anderes zeigen.
Vielleicht war es gar nicht wichtig, die Glocke wieder einzuschalten.
Vielleicht war die eigentliche Botschaft:
Du musst nicht mehr jede Nachtwache halten.
Es gibt Zeiten im Leben, in denen wir tragen, helfen, organisieren und stark sein müssen. Diese Zeiten haben ihren Wert und ihre Würde.
Doch irgendwann beginnt eine neue Phase.
Eine Phase, in der wir lernen dürfen:
-
nicht jeden Ruf zu beantworten
-
nicht jede Verantwortung zu übernehmen
-
nicht ständig bereitstehen zu müssen
Vielleicht besteht eine der wichtigsten Prüfungen des Lebens darin, zu erkennen, wann ein alter Dienst endet.
Nicht aus Gleichgültigkeit – sondern aus innerer Reife.
Denn wenn wir immer im Nachtdienst bleiben, vergessen wir leicht etwas Wesentliches: Auch unsere eigene Seele braucht Ruhe, Raum und Licht.
Manchmal müssen wir die Glocke einfach ausgeschaltet lassen.
Und darauf vertrauen, dass das Leben trotzdem weitergeht.
Oder vielleicht sogar erst dann wirklich beginnt.
In diesem Sinne wünsche ich allen eine gute neue Woche!
Eure Sha Elara / Petra

