Wenn Wärme nicht erwidert wird – bei sich bleiben, ohne hart zu werden
Es gibt diese leisen Momente, die mehr berühren als jedes offene Wort.
Man kommt nach Hause, innerlich weich, genährt, vielleicht sogar froh –
und trifft auf Schweigen.
Kein „schön, dass du da bist“.
Keine Wärme, die zurückfließt.
Nur Stille.
Und genau hier beginnt eine innere Prüfung, die kaum jemand sieht.
Nicht die große Krise fordert uns heraus,
sondern diese feinen Übergänge:
Wo wir hoffen, gesehen zu werden –
und es nicht werden.
Die alte Reaktion wäre Rückzug.
Oder Anpassung.
Oder inneres Zumachen, um sich zu schützen.
Doch es gibt einen neuen Weg.
Einen reiferen.
Er besteht nicht darin, stärker zu werden im Sinne von härter.
Sondern darin, bei sich zu bleiben, ohne sich zu verschließen.
Diese Momente prüfen nicht unsere Beziehung zum anderen –
sie prüfen unsere Beziehung zu uns selbst.
Denn oft ist es gar nicht der andere, der uns verletzt,
sondern die alte Bewegung in uns:
das unbewusste Nach-außen-Greifen.
Der feine Wunsch nach Bestätigung.
Das stille Hoffen, dass unsere Wärme erkannt, erwidert, gewürdigt wird.
Wenn das nicht geschieht, entsteht eine innere Leere –
und genau dort zeigt sich, wie tief wir bereits bei uns angekommen sind.
Nicht als Konzept, sondern als gelebte Erfahrung.
Diese Momente lehren uns, dass Selbstverbundenheit nichts Abstraktes ist.
Sie zeigt sich darin, ob wir innerlich stehen bleiben können,
ohne uns zu erklären, ohne uns zurückzuziehen, ohne uns selbst zu verraten.
Es ist ein stilles Erwachsenwerden im Inneren –
und manchmal fühlt es sich zunächst einsam an,
bevor es sich frei anfühlt.
Kann ich meine Wärme bei mir behalten,
auch wenn sie nicht gespiegelt wird?
Kann ich freundlich bleiben, ohne mich klein zu machen?
Kann ich präsent sein, ohne etwas einzufordern?
Das ist keine Gleichgültigkeit.
Das ist Würde.
Wärme, die nur existiert, wenn sie erwidert wird,
ist abhängig.
Wärme, die in mir bleibt,
ist eine innere Quelle.
Vielleicht kennen viele von uns diese stillen Prüfungen:
in Partnerschaften, in Familien, im Alltag.
Sie kommen nicht laut daher.
Sie kommen als Stimmung.
Als Schweigen.
Als kleines inneres Zusammenziehen.
Und genau dort dürfen wir etwas Neues üben.
Nicht wegzugehen.
Nicht zu erklären.
Nicht zu hoffen, dass der andere es „merkt“.
Sondern einfach da zu sein.
In unserem Körper.
In unserer Wahrheit.
In unserer Wärme.
Ein ruhiger Satz genügt – wenn überhaupt:
„Ich bin müde, aber es war ein guter Tag.“
Ohne Unterton.
Ohne Erwartung.
Manchmal ist das größte Wachstum nicht sichtbar.
Aber spürbar.
Und vielleicht ist genau das die eigentliche Prüfung:
bei sich zu bleiben – weich, wach und sich selbst zugewandt.
Ich wünsche all meinen Lesern/innen ein schönes Wochenende
Eure Sha Elara / Petra


2 Antworten
Danke für deine wunderbaren Beiträge.
Ach liebe Petra, was du schreibst ist so wahr und würdevoll. Herzlichen Dank dafür!